Guido Theodor Krämer: Bäckersmann und Tagedieb

Hallo ihr Lieben,

 

zwei Rezensionen innerhalb von zwei Tagen!

 

Weil ich am gestrigen verschneiten Sonntag das heutige Buch direkt in einem Rutsch durchgelesen habe.

 

Das Buch heißt Bäckersmann und Tagesdieb und wurde von Guido Theodor Krämer verfasst. Dieser ist lustigerweise der Vater von Gabriel P. Henry, dessen Werk Maxim ich hier auch schon vorgestellt hatte.

Es handelt sich dabei allerdings, nicht wie bei Henry um eine Novelle, sondern um einen ausgewachsenen historischen Roman.

 

Freundlicherweise habe ich mein Exemplar vom Autor selbst als Rezensionsexemplar erhalten. Mit Widmung und Signatur, worüber ich mich so unendlich gefreut habe, dass ich gleich ein Foto vom Buch gemacht und unten angehängt habe. Da könnt ihr es euch noch einmal anschauen. Ansonsten ist es erschienen beim MASOU-Verlag am 07.11.2017, dort könnt ihr ebenfalls noch einmal einen Blick auf Bäckersmann und Tagedieb werfen.

 

Der Roman spielt in der Zeit der Reformation in Andernach, deren Legende um die dortigen Bäckersjungen die Basis für die Handlung darstellt. Die Handlung kommt in Gang, als Mätthes, dem besagten Bäckersmann, von Thomas, dem besagten Tagedieb, ein Stück Brot gestohlen wird. Thomas wird daraufhin auf Geheiß des Richters Katzmann gefangen genommen. Mätthes, dem es schon kurze Zeit später leidtut, den Jungen an die Gerichtsbarkeit ausgeliefert zu haben, da er ein Herz aus Gold hat und damit zum sofortigen Sympathieträger wird, rettet Thomas aus dem Verlies und nimmt ihn als Lehrjungen bei sich auf. Dort trifft Thomas auch Franz, den Sohn des Bäckers, und die Sage um die Andernacher Bäckersjungen nimmt seinen Lauf.

 

Also was kann ich sagen? Ich habe die Geschichte von Anfang an sofort geliebt. Was nicht zu einem unerheblichen Teil Mätthes geschuldet ist, der einfach nur cool ist. Mir fällt leider kein besseres Wort dafür ein, aber  Mätthes ist ausgestattet mit einer solch intrinsischen Komik, dass man sehr oft schmunzeln muss. Darüber hinaus ist er so herzensgut, dass man gar nicht umhinkann als ihn zu mögen. Das ist natürlich für einen Roman dieser Größenordnung (521 Seiten) nicht verkehrt.

 

Es ist allerdings nicht nur der Bäckersmann, der hier eine wichtige Rolle spielt, auch dem Tagedieb kommt natürlich eine gesonderte Rolle zu. Wobei ich sagen muss, dass Thomas, auch wenn er seine Stärken hat, im Vergleich zu Mätthes, doch ein wenig hinterherhinkt. Mit dem Bäckersmann in der Gunst des Lesers zu konkurrieren, ist jedoch auch schwierig, deswegen darf man nicht denken, dass Thomas als Charakter schlecht wäre. Im Gegenteil, ich finde ihn sehr authentisch in seinen Handlungen und Denkweisen, es ist nur so, dass er, in meinem Empfinden, ein wenig von den anderen Charakteren überstrahlt wird. Allen voran Mätthes, aber es gibt auch noch zwei andere Figuren, die dazu beigetragen haben, dass ich das Lesen des Romans immens genossen habe.

 

Dabei handelt es sich auf der einen Seite um Agnes, in die sich Thomas verliebt und einen großen Teil zur Geschichte beiträgt, und andererseits um den Antagonisten Katzmann. Dieser ist der Richter des Ortes und taucht immer mal wieder auf, um Ärger zu machen. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, da man sich dann doch zu scharf am Spoiler bewegt, aber er ist so herrlich böse, arrogant und überheblich, dass man ihn einfach hassen muss. Sehr gelungener Antagonist.

 

Und dann ist da noch die eingangs erwähnte Agnes, eine für ihre Zeit extrem starke Frauenfigur. Um genau zu sein, ich war dankbar, dass der Autor ihr so viel Raum gegeben hat. Und sie zu einer selbstständig denkenden, fühlenden Person gemacht hat, die über ihre Funktion als die Angebetete Thomas‘ hinausgehen und durchaus eigenständig an der Handlung teilhaben darf. Das finde ich super, denn in einem Roman, der sonst von Männern dominiert wird, kann es durchaus mal vorkommen, dass Frauen eher nur als Beiwerk auftauchen, die dazu dienen, Männer durch deren Beziehung weiter zu charakterisieren. Ich persönlich finde, dass das in diesem Fall nicht so ist, und das finde ich toll. Aber es ist ja sowieso hier alles nur meine persönliche Meinung.

 

Sprachlich und stilistisch bin ich auf jeden Fall auch überzeugt. Passt perfekt zu meiner Vorstellung, wie die jeweiligen Personen damals gesprochen haben. Jede Figur hat ihre eigene Stimme und letztendlich ist der Stil voller Tempo und dadurch sehr mitreißend. Ich bin auch hier begeistert.

 

Wie man aus meiner Rezension wohl sehen kann, ich kann hier eine klare Kaufempfehlung aussprechen und an der Stelle, vielen Dank an Gabriel P. Henry, der das Manuskript aus der Schublade von Guido Theodor Krämer gemopst und ohne dessen Wissen an den MASOU-Verlag geschickt hat, und es damit möglich gemacht hat, dass ich dieses Buch lesen durfte. Es war mir eine Ehre.

 

Liebe Grüße

 

eure Julia