Gabriel P. Henry: Maxim

Hallo ihr Lieben,

 

nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Buch gelesen, das man als "schwere Kost" bezeichnen könnte und mich sehr aufgewühlt und bewegt hat. 

 

Dabei handelt es sich um die Novelle Maxim von Gabriel P. Henry. Erschienen ist das Taschenbuch gerade am 10. Juni 2017 beim Masou-Verlag

 

Mir wurde die Ehre zuteil, vom Autor persönlich ein Exemplar geschenkt zu bekommen. Eine Ehre, die ich von Anfang sehr zu schätzen wusste, aber nach dem Lesen noch einmal mehr zu schätzen weiß.

 

Leseprobe und Cover könnt ihr euch hier ansehen.

 

Und ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht so wirklich wo ich anfangen soll. Ich habe das Buch heute erst beendet und irgendwie ist es immer noch schwierig für mich, meine Gedanken zu ordnen. So sehr hat das Buch sie durcheinander gewirbelt.

 

Vielleicht sollte ich dann doch mit einer Warnung beginnen. Vor allem, weil es mir unmöglich ist, über das Buch zu schreiben, ohne zu spoilern. Insofern lautet die erste Warnung: Bitte nicht weiterlesen, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt.

Die zweite Warnung ist ein wenig kryptischer: Bitte stellt euch darauf ein, dass das Buch Themen behandelt, die man nicht einfach mal so im Vorbeigehen liest.

 

Gerade das aber habe ich getan. Ich wusste natürlich, worauf ich mich einlasse, ich kannte ja den Klappentext. Aber trotzdem war ich nicht vorbereitet. Nicht darauf vorbereitet, dass ich in allen Details vom Selbstmord eines 14-jährigen Jungen lesen würde, dass ich die Trauer seiner Familie und Freunde in allen Einzelheiten derart greifbar und anschaulich geschildert bekommen würde.

 

Der Kontrast zum Inhalt des Buches und meiner Lesesituation - im Liegestuhl mit kühler Weißweinschorle, während Mann und Sohn völlig sorgenfrei, unbeschwert und glücklich im Planschbecken herumtoben - war so brutal, dass mir teilweise die Tränen kamen. Vor allem die Trauer von Maxims Eltern war deshalb unglaublich schwer für mich zu verarbeiten.

 

Letztlich von den Gründen des Selbstmords zu erfahren, war ebenfalls hart, denn der Autor hat recht. Mit allem, was er sagt. Die Angst, die Maxim in den Selbstmord treibt, ist auch bei mir vorhanden. Begraben und verdrängt, aber sie ist da. Jeden Tag.

 

Die Angst, dass sich die Menschheit eines Tages selbst zerstören wird. Dass die Menschen, die ich liebe, und ich selbst eines Tages nicht mehr zu den Glücklichen gehören werden, die ihr Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben dürfen.

 

Gerade diese Angst, die ich auch in mir trage, hat in mir eine sehr emotionale Reaktion hervorgerufen. Die Angst ist real, aber doch so abstrakt, dass man sie sonst relativ einfach verdrängen kann. Gabriel P. Henry aber hat der Angst einen Namen gegeben, weshalb sie erbarmungslos an die Oberfläche drängt, egal wie sehr man versucht, sie doch zu begraben. 

 

Ich sehe in dem Buch eine Sozialkritik, die genau auf den Punkt gebracht ist. Die alle Themen, die heutzutage relevant sind, anspricht und uns unsere Probleme aufzeigt. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist brutal und schonungslos. Dennoch bin ich froh, dass ich das Buch lesen durfte, denn es zeigt mir wieder, wie glücklich ich mich selbst schätzen kann. Und das ich auf hohem Niveau jammere, wenn ich jammere. Was durchaus mal vorkommen kann.

 

Vielen Dank an den Autor noch einmal an dieser Stelle, dass er mir das vor Augen geführt hat, denn ab und zu neige ich dazu, das zu vergessen - wie wahrscheinlich auch sonst jeder, der das Glück hat in Frieden, Freiheit und Wohlstand zu leben. Deswegen bin ich froh, wenn ich dann wieder daran erinnert werde.

 

Sprachlich muss ich sagen, dass ich anfangs ein wenig überrascht war, dass das Sprachniveau des Jungen Maxim so hoch ist. Schließlich ist er erst 14 Jahre alt. Andererseits, der Ton des Buches verlangt genau das und nichts anderes, insofern habe ich mich schnell daran gewöhnt und war beeindruckt, dass der Autor diesen Stil (mit ein paar winzigen Ausnahmen) durchgehalten hat.

 

Generell bin vom Autor extrem beeindruckt. Man darf an der Stelle nicht vergessen, dass Gabriel P. Henry erst 20 Jahre jung ist. Wenn ich zurückdenke - ich hatte mit 20 Jahren keine so tiefgründigen Gedanken. Asche auf mein Haupt, aber ich habe mich nicht für diese Art von Themen interessiert. Umso erstaunlicher finde ich es, dass der Autor so ein Werk geschaffen hat. Ein riesiges Kompliment an der Stelle. Ich denke man darf von ihm noch einiges erwarten.

 

Klare Kaufempfehlung. Aber mit der Warnung, dass der Autor einen sicher nicht mit Samthandschuhen anfasst, das sollte einem bewusst sein, bevor man sich an die Lektüre macht.

 

Wie seht ihr das? Hat euch das Buch auch in eurem Innersten erschüttert? Seid ihr dem Autor dankbar für das, was er uns vor Augen führt? Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.

 

Liebe Grüße

eure Julia

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Diandra (Donnerstag, 22 Juni 2017 10:24)

    Auf jeden Fall ein Buch, das ich mir noch anschauen werde ... das kommt mit auf den Stapel ungelesener eBooks. ^^