Frank Behrendt: Liebe dein Leben und nicht deinen Job

Hallo ihr Lieben,

 

ich möchte heute über Frank Behrendts Werk sprechen.

 

Bekommen habe ich es freundlicherweise als Rezensionsexemplar von Random House. Und ich muss gleich am Anfang gestehen, dass ich selten so viel Recherche zu einem Buch betrieben habe, wie bei diesem hier.

 

Anfangs habe ich nämlich keinen Draht zu Buch und Autor gefunden. Inzwischen weiß ich, dass ich mit falschen Erwartungen an den Titel herangegangen bin.

 

Aber immer der Reihe nach.

 

Ich habe das Buch, wie gesagt, als Rezensionsexemplar erhalten. Vom ersten Moment an hat mir das Cover super gut gefallen. Dass ich eine kleine Elster bin, die auf schöne Sachen reagiert, muss ich damit wohl gestehen. Wobei ich mich ja eigentlich schon bei Pamela Druckermans Warum französische Kinder keine Nervensägen sind geoutet habe.  Aber das Cover ist auch wirklich wunderschön. Der Umschlag fühlt sich auch so toll an, es ist einer dieser Umschläge, die so soft aber trotzdem irgendwie rutschfest sind.

 

Hier könnt ihr einen Blick auf das Cover werfen und mit einer Leseprobe kurz ins Buch "reinschnuppern". Unten könnt ihr euch mein Exemplar auch noch einmal näher ansehen.

 

Aber wieder schweife ich ab. Jedenfalls hat mich der Anfang direkt dazu animiert, mal wieder zum Friseur zu gehen. War auch nötig, also vielen Dank an den Autor für diese Anregung. 

 

Was mir von Anfang an gefallen hat, war der lockere, sehr persönliche Schreibstil, mit dem der Autor aus seinem persönlichen Nähkästchen plaudert. Das fand ich sehr flott, erfrischend und an manchen Stellen auch sehr witzig. Vor allem die erste Geschichte aus der Kindheit des Autors hat mich emotional angesprochen, das war etwas, mit dem ich mich gut identifizieren konnte.

 

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich anfangs dennoch Probleme hatte, mit dem Buch zurecht zu kommen. Warum?

 

Weil ich nicht glauben konnte, dass ein Mann das Geheimnis der Entspannung entdeckt hat, während alle anderen (inklusive meiner Wenigkeit) noch im Hamsterrad des Lebens gefangen sind. Ich konnte mir das einfach beim besten Willen nicht vorstellen und hielt das für eine Fassade des Autors. Wieso kann der das und wir nicht, habe ich mich gefragt?

 

Also habe ich mich ein wenig mit Frank Behrendt beschäftigt, diverse Interviews gelesen und angesehen und vor allem auch in seiner Kolumne geschmökert. Auf all diesen Kanälen hat sich der Eindruck erhärtet, dass es doch keine Fassade ist, sondern Frank Behrendt es einfach für sich wirklich raus hat, sein Leben zu genießen.

 

Schaut euch die Interviews mal an, hier ist eine kleine Auswahl:

 

horizont.net

management-blog.de

 

und vor allem: stern.de

 

Vollends überzeugen konnte er mich, als er sich Zeit genommen hat, um per Mailkontakt mit mir zu kommunizieren. Hier hat er mich zum Nachdenken gebracht und ich habe aus dem Dialog für mich selbst Einiges mitnehmen können.

 

Zum Beispiel, dass jede Aussage zwei Seiten hat, und man diese erst einmal analysieren sollte, bevor man zu einem voreiligen Schluss kommt. Jede Medaille hat zwei Seiten, um mal das Phrasenschwein zu füttern.

 

Meint der Sender der Nachricht es wirklich so, wie es bei mir angekommen ist? Oder liegt es gerade an mir, dass ich Dinge interpretiere, die eigentlich gar nicht intendiert waren? Und falls jetzt jemand an die die vier Ohren von Herrn Schulz von Thun denken sollte, ja, das war beabsichtigt, denn auch das ist ein Modell, das zu kennen sicher auch nicht verkehrt ist.

 

Das ist auch der Tipp zur Entspannung, den ich mit der Hilfe von Frank Behrendt für mich selbst (wieder-)entdeckt habe. Analysieren, reflektieren und gegebenenfalls noch einmal eine Nacht über etwas schlafen. Dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

(Das Phrasenschwein hat heute einen guten Tag...)

 

Aber ich schweife mal wieder ab. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass mich Frank Behrendt in unserem Dialog überzeugt hat, dass er wirklich der entspannte, ausgeglichene und positive Mensch ist, den wir in seinem Buch kennen lernen. Und das freut mich ungemein für ihn.

 

Allerdings muss ich dennoch sagen, dass ich wahrscheinlich einfach nicht zur richtigen Zielgruppe gehöre, denn ich hatte das Gefühl, dass sein Werk doch eher auf die Top Dogs, die Führungsschicht, ausgelegt ist, denn auf Angestellte oder Freiberufler.  Das liegt allerdings in der Natur der Dinge, denn schließlich kommt der Autor auch aus diesem Umfeld. Auch wenn er übrigens inzwischen die Führung abgegeben hat, um sich anderen Dingen, die das Leben zu bieten hat, zu widmen. Was für sich genommen schon ein Beleg dafür ist, dass er weiß, wie der Hase zur Entspannung läuft.

 

Wie gesagt, ich hatte anfangs Schwierigkeiten, mich dem Buch zu nähern, was der Diskrepanz zwischen der eigentlichen Intention des Autors und meinen eigenen durch persönliche Erfahrungen aufgebauten Erwartungen geschuldet ist. Ich hatte einen Ratgeber erwartet, der quasi universelle Gesetze bietet und genau erklärt, was man tun sollte, damit man in der Work-Life-Balance zu mehr Entspannung kommt.

 

Tatsächlich ist das aber genau nicht der Anspruch des Autors. Ihm geht es darum, uns an seinen Erfahrungen, wie er für sich entdeckt hat, wie er sein Leben entspannt angehen kann, teilhaben zu lassen. Diesen Weg wollte er uns niemals aufoktroyieren, sondern nur beschreiben. Bis mir der Autor selbst erklärt hat, dass er gar kein Ratgeber in dem Sinne verfassen wollte, hatte ich also eine ganz andere Erwartungshaltung. Deswegen möchte ich nochmal betonen, das dies kein Ratgeber im eigentlichen Sinne ist, denn es ändert die Erwartungshaltung an und Sicht auf das Buch grundlegend.

 

Auf jeden Fall habe ich sehr viel aus dieser Erfahrung gelernt und ich bin sehr dankbar, dass sich Frank Behrendt die Zeit genommen hat, mit mir in Kontakt zu treten. Frank, auch dafür möchte ich mich herzlich bedanken, dass du mir geholfen hast, mir nochmals vor Augen zu führen, dass es sinnvoll ist, Dinge von mehreren Seiten zu beleuchten, bevor man sich eine Meinung bildet. Was einem viel Ärger ersparen kann und damit maßgeblich zur Entspannung im Leben beiträgt, wie ich festgestellt habe.

 

Lieber Frank, ich freue mich sehr auf den Kaffee, wenn du in München bist (wobei ich entsprechend meiner Natur aber wahrscheinlich eher a lovely cuppa English tea bestellen werde) und wünsche dir weiterhin viel Entspannung!

 

Liebe Grüße

 

eure Julia

 

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