Neil Mackay: Des Menschen Furcht

Hallo ihr Lieben,

 

ich habe vor einiger Zeit zu "Des Menschen Furcht" von Neil Mackay ein Rezensionsexemplar erhalten und bei Random House eine Bewertung abgegeben.

 

Die wollte ich euch natürlich nicht vorenthalten, also könnt ihr sie gleich hier unten nochmal lesen.

 

Die Originalseite findet ihr euch natürlich auch ansehen. 

 

 

Eine Leseprobe und das Cover der Erstausgabe könnt ihr euch auch gerne ansehen. Diese wurden mit freundlicher Genehmigung von Random House zur Verfügung gestellt.

 

Und hier unten könnt ihr meine Bewertung zu "Des Menschen Furcht" gleich lesen. 

 

Habt ihr die gleiche Meinung? Was seht ihr anders? Ich freue mich über euer Feedback in den Kommentaren!

 

Liebe Grüße

 

eure Julia

 

Rezension:

 

Der Debütroman “Des Menschen Furcht“ von Neil Mackay erschien 2016 in der Übersetzung von Irene Eisenhut beim Heyne-Verlag und kann dem Genre des historischen Krimis zugeordnet werden.  Der Originaltitel lautet "The Wolf Trials".

 

Der Roman berichtet von dem historisch belegten Werwolf-Prozess gegen Peter Stumpf während des ausgehenden Mittelalters. Berichtet wird durch Wilhelm Lessinger, dem Gehilfen des kaiserlichen Gesandten Paulus Melchior. Diesem ist die Aufgabe zugefallen, zu ermitteln, ob Stumpf wirklich ein Werwolf ist, oder ob er als normaler Mensch verurteilt werden kann. Dabei sollte erwähnt werden, dass Wilhelm, inzwischen Universitätsprofessor in Glasgow und bekannt unter dem Namen William Loos, viele Jahre nach dem tatsächlichen Prozess rückblickend über die Geschehnisse berichtet. So erlebt man durch die Worte des alten William, dass Melchior nicht an die Existenz von Werwölfen glaubt, sondern Stumpf als menschlichen Serienmörder vor ein weltliches Gericht stellen möchte. Damit erregt er das Missfallen der Stadtbewohner, sowie des Inquisitors Fromme, der Melchior auf seiner Mission begleitet und die Interessen der Kirche zu vertreten hat.

 

Mackay möchte hier mehr als nur den Kriminalfall um Peter Stumpf nach seinen Vorstellungen zu erzählen. Vielmehr versucht er anhand der Romanfiguren allerlei menschliche Abgründe zu erforschen, unter anderem blinder Aberglauben, Fanatismus, Ignoranz, Neid und Habgier. Hierbei fungiert der angebliche Werwolf und Serienmörder als Katalysator für die anderen Figuren, sodass seine Verbrechen und sein darauffolgender Prozess nur als Rahmenhandlung, nicht als Hauptaugenmerk des Romans gewertet werden dürfen.

 

Inhaltlich gesehen kann man jedoch die Entwicklung der Handlung nicht ganz nachvollziehen. Dies ist vor allem der Charakterisierung der Figuren geschuldet. Der Autor schafft es nicht vollständig, dem Leser die Aktionen und Reaktionen seiner Charaktere verständlich zu machen. Oftmals wirken die Handlungsweisen forciert und abrupt. Das Ziel, dem Leser die Figuren und deren Welt und Weltanschauung zu veranschaulichen, versucht Mackay durch zahlreiche, langatmige Rückblicke oder Geschichten zu erreichen. Das gelingt jedoch aufgrund des übermäßigen Gebrauchs und der oftmals fehlenden Relevanz der Rückblicke nur bedingt. Es sind fast ausschließlich die Blicke in die Vergangenheit Stumpfs, die hier interessant sind, da sie als Teil seines Prozesses im Kontext des Romans gerechtfertigt sind. 

 

Sprachlich gesehen nähert sich der Autor der Sprache des Mittelalters an, übersieht dabei allerdings, dass sich seine Figuren in ihrem Sprachniveau kaum unterscheiden. So benutzt eine Dienstmagd fast die gleiche Ausdrucksweise wie ein gebildeter, an einer Universität lehrender Advokat. 

Zusammenfassend beschreibt der Roman „Des Menschen Furcht“ die möglichen Konsequenzen menschlicher Schwächen, wenn sie ungezügelt zutage treten dürfen oder sogar geschürt werden. Mackay entführt den Leser in eine mittelalterliche Welt mit dem damals vorherrschenden Weltbild. Dies geschieht auf sehr anschauliche Weise und der Autor versteht es dabei, im Kopf des Lesers (mitunter schreckliche) Bilder entstehen zu lassen. Jedoch wirken sich die Rückblicke zumeist eher negativ auf das Lesevergnügen aus, da der Lesefluss gestört wird. Darüber hinaus kann man aufgrund der mangelnden Charakterentwicklung als Leser oftmals nicht nachvollziehen, wie sich die Handlung entwickelt. Der angebliche Werwolf bildet hier eine positive Ausnahme, denn seine Handlungen sind - unter der Prämisse, dass es sich bei Stumpf um einen kannibalistischen Serienmörder ohne Gewissen handelt - durchaus logisch. Er wirkt auch zu einen gewissen Grad enigmatisch auf den Leser, wodurch der Autor Spannung und Interesse aufzubauen weiß.

 

Letztendlich ist Mackay hier eine lebendige Darstellung des ausgehenden Mittelalters gelungen. So verspricht der Roman Freunden des Genres kurzweilige Unterhaltung, sodass man dem Buch durchaus eine Kaufempfehlung aussprechen kann.

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